Äthiopien – Israel

Von Gondar…

Bericht von Hinrich Kaasmann

Israelische Briefmarke "Auszug aus Äthiopien"
Israelische Briefmarke „Auszug aus Äthiopien“

Gondar in Nordäthiopien ist jetzt in der Regenzeit wunderschön – alles ist grün, trotz der Höhe von 2.100 m gibt es keinen Frost. Seit über acht Jahren kenne ich diese Stadt und sehe deutlich eine Verbesserung des Lebensstandards. Die Universität hat 25.000 Studenten. Doch sobald man in Seitenstraßen, Vororte und Dörfer in der Nachbarschaft kommt, scheint die Uhr um hundert Jahre zurückgedreht. Vor Lehmhütten sitzen junge Männer, fast noch Kinder, einige schon mit Smartphones, während eine Frau auf einem Stein Teff-Getreide zerkleinert, eine andere auf einer Eisenplatte flache Indschara-Fladenbrote backt. Aus diesem Umfeld stammen die Falascha Mura, die in den letzten fünf Jahren zu Tausenden nach Israel eingewandert sind; einige Hundert sind noch in Gondar. Wo Dokumente fehlen, ist eine Alijah voller Hindernisse. Manche haben den Kontakt zu Familienangehörigen verloren, von denen einige vielleicht bereits in Israel sind.

Diesen ratlos Zurückgelassenen, oft extrem armen oder kranken Menschen hilft Dr. Shitaye, unsere Partnerin vor Ort. Ebenezer Deutschland unterstützt die medizinische Nothilfe, Yad Ruth finanziert das Getreideprojekt. Die Universitätsklinik ist sehr einfach, ja primitiv ausgerüstet; medizinische Nothilfe ist Alltag! Dr. Shitaye behandelt eine junge, an Tuberkulose erkrankte Mutter. Deren Mann wurde als Kind ein Kreuz auf der Stirn tätowiert. Für das Leben in Israel kann das problematisch sein und zu Schwierigkeiten bei der Integration führen.

 …nach Israel

Integration in Israel

Israel löst bei den Neueinwanderern zunächst einen Kulturschock aus, so dass sie ein bis zwei Jahre in speziellen Kursen angeleitet werden müssen. Während des Gazakrieges besuchte ich das von uns seit 2011 unterstützte Integrationszentrum IBIM. Dort im Süden gab es häufig Raketenalarme. Die betreuende Soldatin freute sich sehr, dass ich Zeichenblöcke und Buntstifte mitbrachte. Mich berührte tief, wie diese Kinder Raketen, dunkle Wolken, aber auch Sonne und Sterne und grüne Bäume malten.

Siehe, ich werde sie aus all den Ländern sammeln, wohin ich sie vertrieben habe… Und ich werde sie an diesen Ort zurückbringen und sie in Sicherheit wohnen lassen. Und sie werden mein Volk und ich werde ihr Gott sein. Und ich werde ihnen einerlei Sinn und einerlei Wandel geben, damit sie mich alle Tage fürchten, ihnen und ihren Kindern nach ihnen zum Guten. (Jeremia 32,37-39)

Trotz sozialer Spannungen in der israelischen Gesellschaft wurzeln sie sich nach GOTTES Plan ein. Olim können zu günstigen Konditionen Wohnungen kaufen und lernen, eigenverantwortlich zu leben. Unser Freund und Partner Micha Feldmann berät und lehrt Atiteged, eines unserer mündigen Waisenpatenkinder, was es bedeutet, Kredite abzuzahlen und wie sie für die vier jüngeren Geschwister verantwortlich haushalten kann. Im Dezember zieht sie mit ihnen aus dem Einwanderungszentrum aus. Wir beten für sie und unterstützen sie in dieser Übergangsphase noch ein weiteres Jahr.