Alijah aus Donezk/Ostukraine

Von Herz zu Herz Dezember 2014

Siehe, ICH bringe sie herbei aus dem Land des Nordens und sammle sie von dem äußersten Ende der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und Gebärende, sie alle zusammen; als eine große Volksversammlung kehren sie hierher zurück. (Jeremia 31,8)

Die Ebenezer-Mitarbeiter Igor und Lena berichten von einer Familie aus Donezk:

Hausbesuch in Donezk
Hausbesuch in Donezk

Vor kurzem haben wir der jüdischen Familie J. geholfen, Alijah zu machen. Die 95-jährige Raissa Israelevna ist das älteste Familienmitglied. Vor zehn Jahren hatte sie sich ihre Hüfte gebrochen und ist seitdem bettlägerig. Ihr ganzes Leben war von Schicksalsschlägen gezeichnet…

Geboren wurde Raissa 1919 in der Region von Donezk, als dort Bürgerkrieg herrschte. Sie erlebte 22-jährig den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und musste damals an der Front dienen. Es folgten die Hungerjahre in der Nachkriegszeit und viel Leid. Mit ganzer Kraft setzte sie sich in der Sowjetunion als Ärztin ein, bis die UdSSR in den 90-er Jahren zerfiel. Wiederholt gab es Hungerjahre, und viele Menschen wurden wie auch Raissa um ihre Hoffnung auf eine ruhige Zukunft mit geregelten Renten oder Pensionen gebracht. Und jetzt herrscht der Krieg in der Ukraine…

Raissas 44-jährige Enkeltochter ist froh, dass ihre Großmutter schwerhörig ist. So bleibt Raissa möglicherweise etwas Leid erspart, da sie die ständigen Schießereien vor ihrem Fenster nicht wahrnimmt.

Ihre Wohnung befindet sich zwischen dem Stadtzentrum und dem Flughafen, der Tag für Tag unter Beschuss steht.

Seit die „Volksrepublik Donezk“ von den Separatisten ausgerufen wurde, hat sich die Situation dieser Familie dramatisch verändert. Als Chefredakteur und Mitarbeiter einer örtlichen Zeitung verloren drei Familienmitglieder ihre Arbeit, denn der Verlag wurde geschlossen. Also entfällt die Einkommensquelle der Familie. „Jetzt ist es für uns Zeit, nach Israel auszuwandern“, sagen sie.

Die ganze Familie freut sich auf die Ausreise, denn in Israel ist Raissas Urenkel. Er war bereits vor einiger Zeit für das NA‘ALEH Programm der Jewish Agency ausgewählt worden, das er mit internationalem Abitur abschließt. Er wohnt in Netanya. 2016 wird er in der israelischen Armee Dienst tun.

Ausreise: Der Flughafen in Donezk ist zerstört, der Bahnhof ist geschlossen, es fahren keine Züge. Um mit der Bahn nach Kiew zu reisen, muss die Familie nach Druschkiwka fahren, einer Stadt, die sich auf ukrainischem Gebiet befindet. Da Großmutter Raissa nicht mehr laufen kann, musste schnell eine Lösung gefunden werden. Wie gut, dass Eben-ezer-Deutschland die Kosten für ihren Krankentransport übernehmen konnte. Und viele haben für diese besondere Alijah gebetet!

Von Druschkiwka fährt die Familie mit dem Zug nach Kiew, um dort ihre internationalen Reisepässe zu beantragen und dann weiter nach Israel zu fliegen.

Am Bahnhof in Druschkiwka müssen sie drei Stunden auf den Zug warten. GOTT sei Dank gibt es auf diesem kleinen Bahnhof ein Krankenzimmer. Die Bahnangestellten helfen Raissa, tragen sie in den Zug. Sie schicken sogar ein Telegramm nach Kiew, damit man dort eine Krankentrage für sie bereithält. Dort wird sie von einem Mitarbeiter von Ebenezer International mit dem Auto abgeholt und zu einer Unterkunft ins 27 km entfernte Irpen gefahren. Dort wird Raissa versorgt, bis alle Pässe fertig sind. Und dann geht es endlich nach Israel!