Ausreise für den behinderten Alexei aus Rovenki (lugansker Region)

 

Lena und Alexei 2UKRAINE: Der geistig behinderte Alexei ist am 19. März nach Israel geflogen! Der Weg bis zum Abflug war lang und strapazenreich. Er und sein Bruder Rodion haben schon früh ihre Mutter verloren und dem Vater wurde das Sorgerecht entzogen. Ohne Eltern mussten sich die Brüder allein durchs Leben schlagen. Rodion wurde von der Jewish Agency wegen seiner guten Noten nach Israel geschickt. Alexei musste in eine psychiatrische Anstalt in Rovenki in der Ostukraine. So wurden auch die beiden Brüder voneinander getrennt. Rodion hatte seinen Bruder nicht vergessen. Nach seinem Abschluss 2014 kehrte er in die Ukraine zurück, um Alexei nach Israel zu holen. Die Schwierigkeiten nahmen aber kein Ende, denn zu dieser Zeit brach der Krieg in der Ukraine aus. Zusätzlich sollte Rodion seinen Wehrdienst in Israel antreten. So blieb ihm nicht anderes übrig als Alexei zurück nach Rovenki zu bringen. Unterwegs gerieten sie in eine Straßensperre. Die beiden Brüder wurden von den Posten gefilzt, dabei fanden sie auch den israelischen Pass von Rodion. Dies war eine gefährliche Situation, denn für die Freiheit von Ausländern konnten hohe Lösegeldsummen gefordert warden. Nicht auf den Kopf gefallen entgegnete Rodion auf die aggressiven Nachfragen, dass ihn der Pass als Mitglied der Synagoge in Lugansk ausweise. Die Finte hätte sicherlich funktioniert, wenn nicht einer der Grenzposten im lupenreinen Hebräisch erwiderte:  „Versuche uns nicht für dumm zu verkaufen! Ich weiß genau, was das ist!“ Dieser Grenzposten war wie Rodion aus Israel gekommen, um seine Mutter, die in Lugansk geblieben war, zu beschützen. Am Ende stellte sich das Treffen als Segen heraus, denn er half den beiden Brüdern, weiterzukommen. So brachte Rodion Alexei zurück in eine psychiatrische Anstalt und machte sich auf den Weg zurück nach Israel, um in der israelischen Armee zu dienen. Alexei war in einer geschlossenen Abteilung untergebracht und konnte deshalb nur von seinen Verwandten dort herausgeholt warden, jedoch nur wenn diese die Genehmigung des lugansker Ministeriums hatten.

Die psychiatrische Anstalt in Rovenki

Als Lena und Igor sich in der Sache einschalteten und Alexei in Rovenki besuchten, hielt man sie für Tante und Onkel von Alexei. Das passte ihnen ganz recht. Über einen langen Zeitraum von mehreren Jahren hatten die beiden Papiere vorbereiten, aus denen hervorging, dass sie als Onkel und Tante Alexei zu sich in ihre Wohnung nach Donezk holen wollten. Während das Ministerium darüber entschied, beteten Lena und Igor inständig, dass keine Verwandtschaftsnachweise verlangt würden. Die Genehmigung wurde erteilt und Lena und Igor mussten keine Nachweise erbringen. Der Weg war frei, um Alexei endlich mit seinem Bruder in Israel wieder zu vereinen! Bei dem Transport wurden sie von EZRA International unterstützt.

Lena und Igor entschieden sich dazu, die Straßensperren zu umfahren und einen Weg über Russland nach Dnjepropetrovsk zu nehmen. Die Straßensperren standen und stehen unter Beschuss und selbst tagsüber sieht man dort Tote und Verletzte. Sie fuhren am 17.02.2017 los. An der Grenze kam es jedoch zu Problemen, weil Lena, Igor und Alexei als illegale Einwanderer eingestuft wurden. Der Wachposten ließ sich durch ein wenig Geld überzeugen und so konnten Lena, Igor und Alexei die Fahrt fortsetzen.

Auf dem Weg nach Dnjepropetrovsk

 

Mitten in der Nacht erreichten die drei

Dnjepropetrovsk und verbrachten die Nacht in einem Hotel. Dort ließ die Wirkung von Alexeis Medikamenten nach und er wurde aggressiv und wollte fliehen. Zuletzt konnten Lena und Igor ihn beruhigen und alle drei fanden zumindest ein paar Stunden Schlaf.

 

Am nächsten Morgen fuhren sie zu einer psychiatrischen Einrichtung, die von einem Juden geleitet wird. Dort blieb Alexei bis Rodion aus Israel kam. Bedauerlicherweise waren die Bedingungen dort wie in Rovenki: 8 Personen auf einem Zimmer und nur magere Mengen an Nahrung. Lena und Igor besuchten Alexei dort häufig und immer mit Keksen, Obst und Brot für ihn und seine Zimmergenossen.

Am Montag, dem 20.Februar hatten sie einen Termin mit dem Konsul. Im Konsulat wurden die drei vor die nächste Schikane gestellt: Alexei kann weder gut lesen noch schreiben, der 12-seitige (!) Antrag musste aber von Alexei persönlich ausgefüllt werden. Da ihnen nichts anderes übrig blieb, füllten Alexei und Lena den Antrag gemeinsam aus: Buchstabe für Buchstabe und Wort für Wort. Als die Mitarbeiterin des Konsulats auch noch kühl ein offizielles Papier mit Ausweisfoto verlangte, erinnerte Gott Lena an ein Dokument, das sie in Rovenki gesehen hatte. Das Papier ließ sich kurzfristig per E-Mail beschaffen und nach einem kurzen Interview mit dem Konsul waren alle Vorbereitungen für die Ausreise abgeschlossen.

Alexei mit seinem Reisepass

 

In allen Schwierigkeiten erwies sich der Herr als treu. Schon am 01.März hielt Alexei seinen Reisepass in den Händen! Einige Tage später kam Rodion aus Israel und die vier mieteten bis zum Abflugtag am 19. März eine Wohnung in Dnjepropetrovsk. Obwohl Alexei keine Medikamente mehr nahm, blieb er friedlich und es ging ihm zunehmends besser. Rodion war vollkommen überrascht und sagte: „Er ist wie ausgetauscht.“ Die vier lebten wie in einer Familie zusammen. Alexei lernte mit Lena zusammen schon erste hebräische Wörter und übte Lesen. Außerdem kauften sie einiges an Kleidung für Alexei, weil seine Sachen teilweise schon sehr ramponiert waren.

Lena und Alexei üben Lesen

 

 

Als Alexei bereits im Flieger saß, telefonierte er noch einmal mit Lena und Igor und sagte, „nun beginnt ein neues Leben für mich“.

Seit dem 19.März ist er israelischer Staatsbürger! Zum Ende noch ein tolles Bild aus Israel:

Alexei mit Tefillin