Chanukkah in Donezk

Unsere Mitarbeiter in Donezk/Ukraine, Igor und Lena, konnten mit der Chessed, einer jüdischen Wohlfahrtsorganisation, in Donezk das Chanukkah-Fest feiern. Sie berichten uns von diesem Ereignis:

Chanukkah ist seit jeher ein freudiges Fest für das jüdische Volk, besonders für die Kinder. Es ist ein Fest des Lichtes und der Wunder GOTTES. Die Chessed berichtete uns von ihren Schwierigkeiten, etwas Frohes zu veranstalten. Die Menschen hier haben viel Zeit unter Feuer verbracht und haben keine guten Erwartungen mehr.

Zusammen mit der Hessed entschlossen wir uns, eine Party für die Kinder vorzubereiten. So kamen 30 Kinder am Sonntag um 11 Uhr. Sie wurden von ihren Eltern oder Großeltern  gebracht. Kindern fällt es leichter, an Wunder zu glauben. Zu Beginn zeigten wir den Kindern einen israelischen Zeichentrickfilm über Chanukkah. Der Anfang des Films war für die Kinder zu langweilig, sie wurden erst aufmerksam, als die Griechen begannen, die Juden zu verfolgen und die Makkabäer sich verteidigten und die Menorah entzündeten. Danach wurden die Kinder dazu eingeladen, mit Hilfe ihrer Mütter und Großmütter, die Kerzen der Chanukkiah anzuzünden.

Der interessanteste Teil begann später. Natürlich hatten wir uns Gedanken darüber gemacht, was wir den Kindern zu diesem Fest schenken könnten. Wir kamen zu dem Schluß, dass es das Beste sei, der jüdischen Tradition zu folgen: Die Kinder bekommen an diesem Tag Geldgeschenke. Dies ist eine alte Tradition und auf diese Art und Weise lernen die Kinder, ihren Zehnten zu geben und mit dem restlichen Geld korrekt umzugehen. Es ist das „Chanukkah gelt“ oder „dmei chanukkah“.  Als die Kinder die kleinen Geschenkpakete mit je 20 ukrainischen Grivny (ca. einem Euro) erhielten, rannten sie zu ihren Elterm und riefen vor Freude: „Mama, es ist Geld!“

Die Menschen in Donezk haben seit dem letzten Juli keine Gehälter oder Renten mehr bekommen. Glücklich waren diejenigen, die genügend Geld auf ihren Bankkarten hatten und damit in Supermärkten Lebensmittel kaufen konnten. Aber seit dem 1. Dezember gibt es auch die Möglichkeit, bargeldlos zu bezahlen, nicht mehr. Eltern nehmen beim Einkaufen ihre Kinder nicht mehr mit, da die Kinder immer darum bitten, ihnen etwas zu kaufen, aber dazu gibt es keine Möglichkeit mehr.

Zum Schluss gaben wir den Kindern noch kleine Pakete mit Früchten, die wir auf dem Markt gekauft hatten: vier Äpfel, eine Zitrone und einige Mandarinen. Die Reaktion war begeistert. Ein Mädchen rief aus: „Mama, schau mal, eine Zitrone!“ Dann malten die Kinder Bilder über Chanukkah, mit aktiver Unterstützung ihrer Eltern. Ein sehr hübscher Junge mit langen Augenwimpern kam auf mich zu und erzählte mir von sich: „Mein Name ist Miron. Das heißt Frieden. Mein Name bedeutet Frieden. Jetzt ist Frieden sehr wichtig! Also, ich bin sehr wichtig. Ich bin schon groß, ich helfe Mutter zu Hause, ich spreche die Gebete meiner Mutter nach.“ Ich erkundigte mich nach seinem Alter; Miron antwortete, dass er fünf Jahre alt sei. Seine Mutter kam zu mir und sagte: „Entschuldigen Sie bitte, dass Miron so viel redet. Er musste wegen der gefährlichen Situation in Donezk eine lange Zeit zu Hause sitzen und jetzt kommt er nicht mehr aus dem Reden heraus.“

Chanukkah-Feier in Donezk
Chanukkah-Feier in Donezk

Übrigens, auch die Eltern erhielten Geschenke. Er war eine wunderbare Idee, festliche Chanukkah-Streichhölzer mit einem Geheimnis vorzubereiten. Die Betonung lag auf der Heiligen Schrift. Wir gaben ihnen auch unsere Broschüren mit Zitaten aus dem Tanach.  Zum Schluss bekamen die Kinder alle noch Sufganjot – Chanukkah-Krapfen. Ich kann gar nicht sagen, wer über das Fest glücklicher war, wir oder die Kinder. Es brachte uns allen viel Freude.

Wir feierten am nächsten Tag auch mit den älteren Menschen. Eine Chessed-Mitarbeiterin, die immer das Programm für die Senioren verantwortet, fragte uns: „Was habt Ihr heute mit den Alten vor?“ Ich antwortete: „Wir werden tanzen“, worauf sie mit den abwartenden Worten reagierte: „Wohl kaum.“ Nun kamen die alten Menschen, die bereits seit fünf Monaten keine Rente mehr bekommen, und die sowieso schon ein langes und schweres Leben hinter sich haben. Wir mußten den gewöhnlichen, offiziellen Teil mit Begrüßung und Musik einfach auslassen, da die Leute ohne Abzuwarten sofort alles aßen, was auf dem Tisch stand. Sie kamen erst wieder zur Ruhe, als fast alles aufgegessen war und die Chessed-Mitarbeiterin anbieten konnte, die Channukah-Kerzen anzuzünden. Die Menschen aber waren sehr depressiv and keiner mochte zu den Liedern klatschen.

Dann kam unser Teil dran, wir gratulierten ihnen zum Fest. Wie immer wiesen wir darauf hin, dass in dieser schweren Zeit es in Deutschland Menschen gibt, die an sie denken und für sie beten. Wir erinnerten sie daran, dass sie das Chanukkah-Fest begingen – dem Gedenken an das Wunder, das der Allmächtige für die Juden wirkte. Aufrichtig sagte ich ihnen, dass ich von Euch, unseren lieben deutschen Freunden, gebeten worden war, ihnen zu sagen, dass sie nicht die Hoffnung aufgeben und stattdessen an Wunder glauben sollten.

Von unseren deutschen Freunden hatten wir die Idee bekommen, auch den Senioren Geldgeschenke in Höhe von €20 zu machen, anstelle der sonst üblichen Lebensmittelpakete. In der Ukraine haben wir das Sprichwort: „Die Alten sind wie die Kinder“. So gab es „Channukah gelt“ selbst für die Alten! Zuerst wollten wir das Geld in Umschläge legen, konnten aber in Donezk keine Briefumschläge finden. Seit langem sind die Postämter geschlossen. Zwei Tage liefen wir durch die Stadt, um nach Umschlägen zu suchen, aber ohne das gewünschte Ergebnis. Aber kein Problem: Die Ebenezer-Bibelstellenheftchen waren noch besser geeignet dafür! Wir legten die Geldscheine jeweils in eine Bibelstellenbroschüre und hatten somit eine gute Möglichkeit, ihre Aufmerksamkeit auf das Wort GOTTES zu lenken.

Nach Worten der Ermutigung und Festtagswünschen fragte ich in die Runde, ob jemand wüsste, was „Channukah gelt“ bedeute. Alle riefen „Geld!“ Als ich ihnen sagte, dass sie als Geschenk von deutschen Freunden jeweils 400 Grivny in bar bekommen würden, war ihre Reaktion voller Schock. 400 Grivny sind sehr viel Geld für diese Menschen. Sie begannen zu klatschen und riefen „Spasibo, Danke!“  Die Atmosphäre war sofot verändert und die Gesichter der älteren Leute fingen an zu leuchten. Und dann erinnerte ich mich an die Ankündigung, die ich der Chessed gegenüber gemacht hatte, dass wir tanzen würden: Und wir tanzten, es geschah! Jüdische Frauen vergassen ihren wunden Füße und ihr hohes Alter und fingen an zu tanzen. Hallelujah!

Nach all dem können wir feststellen, dass der HERR treu ist. ER verlässt Sein Volk nicht. Bei der Verabschiedung baten uns die Teilnehmer der Feier ihre Grüße und ihren Dank unseren deutschen Freunden weiterzugeben, die sie in dieser schwierigen Zeit unterstützen.

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. Lasst uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens!  (Galater 6,9-10)

Preist den HERRN, dass ER uns in den wahren Ölbaum eingepfropft hat!