Einsatz in Kaliningrad

ICH lasse sie wieder in ihrem Land wohnen, denn ICH habe Erbarmen mit ihnen… Sie sollen mit ihren Kindern zurückkehren… (aus Sacharja 10,6-10)

Trost und Ermutigung für jüdische Menschen

Blick auf Kaliningrad
Blick auf Kaliningrad

Ebenezer-Volontärin Anna arbeitete zwei Monate in Kaliningrad, betreut von unseren Mitarbeitern Elena und Andrej. Sie konnte bei verschiedenen Besuch bei älteren jüdischen Menschen durch Ihr Zuhören und ihre Mithilfe den Menschen dort dienen. Eine Woche lang begleitete sie Sonja aus unserem Hamburger Büro. Die schwierige Lage einer jüdischen Großmutter bringt sie uns als besonderes Anliegen mit:

Sonja, Anna und Jelena zu Besuch bei Natascha
Sonja, Anna und Jelena zu Besuch bei Natascha

 

 

Um Natascha (56) zu besuchen, mussten wir fünf Stockwerke hochlaufen, bis ins Dachgeschoss. Die Wohnungstür war weit geöffnet, und uns begrüßte freundlich lächelnd eine im Rollstuhl sitzende Frau, der ein Bein fehlte. Trotz der sie umgebenden chaotischen Situation empfing sie uns sehr herzlich. Ich fragte mich, wie diese Frau ohne Fahrstuhl all die Treppen bewältigen konnte. Gleich zu Beginn sagte sie, wie sehr sie sich über unseren Besuch gerade heute, an ihrem Geburtstag, freue! Nachdem wir ihr herzlich gratuliert hatten, schossen mir viele Gedanken durch den Kopf: Eine festliche Geburtstagsatmosphäre war gar nicht zu erkennen; Elena hatte nach Gebet aus der Liste von Menschen, die auf Besuch warteten, gerade heute Natascha ausgesucht und uns telefonisch angekündigt – das konnte kein Zufall sein! Mein innerer Impuls, im Supermarkt Blumen zu kaufen, wurde leider vom Gedanken verdrängt, Lebensmittel wären wohl wichtiger.

Eine rote Satinrose anstelle eines Ordens
Eine rote Satinrose anstelle eines Ordens

Statt frischer Blumen steckte Anna, selbst sehr bewegt, Natascha eine rote Satinrose an, dieeine liebe Fürbitterin aus dem Erzgebirge für jüdische Menschen näht. Das freute und berührte sie sichtlich. Natascha ist Diabetikerin und hat daher ein Bein verloren. Zusätzlich muss sie dreimal die Woche zur Dialyse – und das mit nur einem Bein, aus einer Wohnung im 5. Stock ohne Fahrstuhl. Auf Elenas Nachfrage, ob sie die ihr zustehende Erdgeschoss-Wohnung schon beantragt hätte, erwiderte Natascha, dass sie das alleine nicht könne. Die Tochter Aljona (33) sagte nur kurz, dass sie viel arbeiten müsse und keine Zeit hätte zu helfen. Sie war gerade zu Besuch, saß in einer Ecke am Computer und hatte sich für ein kurzes „Hallo“ zu uns umgedreht.

Hilfe im Treppenaufgang
Hilfe im Treppenaufgang

Im Lauf dieses und späterer Besuche wurde die verworrene Familiensituation klar, die Natascha sehr zu schaffen macht. Ihre Tochter hat fünf Kinder zwischen 5 und 15 Jahren, von verschiedenen Männern. Sie ist mit einem suchtkranken Mann verheiratet, keins der Kinder lebt bei ihr. Zwei sind in einer Pflegefamilie, in der der Mann auch trinkt, drei sind im Heim. Dennoch, Natascha zeigte uns stolz wunderschöne Bilder, die ihre begabte Enkelin gemalt hat, und sie hat große Sehnsucht nach ihren Enkelkindern. Trotz der Behinderung besucht sie sie zweimal die Woche. Ein Enkelsohn möchte weder ins Kino, noch ins Theater, sondern nur nach Hause… Ein anderer hat Probleme in der Schule. Natascha möchte beim Jugendamt erreichen, dass die Kinder am Wochenende und in den Ferien bei ihr sein dürfen. Noch fehlt die Genehmigung. Elena und Andrej fahren daher mit ihr zu den zuständigen Stellen (Krankenhaus, Gericht), um die notwendigen Unterlagen zu bekommen. Es sieht gut aus, dass die Kinder bald wenigstens am Wochenende zu ihrer Großmutter kommen können. Nataschas großer Wunsch ist, mit ihren Enkelkindern in Israel zu leben, wo sie auch medizinisch besser versorgt wäre. Allerdings ist ihre Tochter nicht offen dafür. Wir staunen, wie zufrieden und bescheiden Natascha trotz ihrer notvollen Situation ist. Viele Wunder sind in dieser Familie notwendig!

Und die Befreiten des HERRN werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel. Jesaja 51,11a