Fünfzehn Jahre Einsatz auf der Krim

Die Söhne deiner Unterdrücker und alle, die dich verspottet haben, beugen sich tief und werfen sich vor dir nieder. (aus Jesaja 60,14)

Das "Westfalen-Team" im Einsatz auf der Krim
Das „Westfalen-Team“ im Einsatz auf der Krim

Aus Anlass des 100. Transports Humanitärer Hilfe in die Ukraine feierten wir am 4. April 2014 einen Dankgottesdienst in Werl zusammen mit unseren Freunden und Ebenezer-Mitarbeitern Sascha und Swjeta aus Mikolajiw/Nikolajew. Dabei erinnerten wir uns daran, dass wir als „Ukrainisch-westfälische kommanda“ (anfangs: Friedhelm, Helmut – später nur noch: Gottfried, Andreas und Claus) insgesamt fünfzehn Mal gemeinsam auf der Krim im Einsatz für das Volk Gottes gewesen sind. Oft wurden wir freundschaftlich als  „Tri Muschketjore“, die „Drei Musketiere“ bezeichnet. Während der fünfzehn Jahre haben wir gemeinsam etwa 1.000 Hausbesuche gemacht. Laut Sasha und Swjeta haben  ca. 40 % der Besuchten Alijah gemacht.

Wichtiger als Statistiken ist für uns das, was wir im Auftrag Jesu Christi für das Volk der Juden tun durften. An die erste Stelle setze ich die zahlreichen Besuche bei Holocaustüberlebenden. In besonderer Erinnerung ist mir Klara in Jalta geblieben, die in drei KZ’s gewesen ist, dennoch ihr fröhliches Herz bewahrt hat und die dankbar sagen konnte: „GOTT hat mich am Leben erhalten und vor Verbitterung bewahrt“.

Viele „Broken-Home-Familien“ haben wir besucht. Insbesondere viele Jüdinnen waren von ihren – zumeist nichtjüdischen – Männern verlassen worden und mussten sich und ihre Kinder allein durchbringen. So konnten wir sie mit Lebensmittelpaketen, später nur noch mit Kleidung und Geldspenden von treuen Unterstützern, beschenken. Vor allem aber brachten wir ihnen das Gebet. Beispielhaft für die Vielen steht mir Rachel vor Augen. Nachdem sie ihren Ehemann und den einzigen Sohn durch Krebs verloren hatte, war sie vereinsamt und resigniert. Nachdem wir für sie gebetet hatten, atmetet sie tief durch und sagte: „Ich fühle mich wie eine Taube, die freigelassen wird“. Einige Wochen später ist diese „Taube Gottes“ für immer nach Israel geflogen.

Denkmal bei Feodossija für die 1941 ermordeten Juden.
Denkmal bei Feodossija für die 1941 ermordeten Juden.

Wir hatten inzwischen zu den Leitern richtige Freundschaften entwickelt. Und so sagte einesTages  eine mit uns befreundete Direktorin einer Chessed auf der Krim, zu uns: „GOTT antwortet, wenn ihr betet“. Überhaupt wurde diese Stadt im Osten der Krim zu einer „Hochburg der Alijah“, wie Swjeta es nannte. Dazu konnte es aber erst kommen, nachdem wir hier stellvertretend Buße für die Greueltaten der Deutschen getan hatten. An einem ehemaligen Panzergraben in Feodossija wurden 1941 2.500 Juden erschossen. Viele Juden kehrten also heim nach Erez Israel. Viele andere blieben – trotz unserer eindringlichen Warnungen vor der Zeit der „Jäger“, die nach Jeremia 16,16 der Zeit der „Fischer“ folgen werde.

Als jetzt im Frühjahr 2014 die Krim von Russland okkupiert wurde, fielen mir die zahlreichen Träume und Visionen über die Jäger ein, die wir und die Jüdin Anja in all den Jahren empfangen hatten.

Von der dramatischen Wende auf der Krim Anfang 2014 ahnten Gottfried, Andreas und ich noch nichts, als wir Anfang September 2013 zum Gebet für unseren baldigen, fest terminierten Einsatz auf der Krim zusammenkamen. Zu unserer großen Überraschung ließ der HERR Seine „Tri Muschketjore“ wissen: „Nein, ihr fahrt nicht mehr! Eure Arbeit ist getan!“

Geblieben sind die kostbaren Beziehungen zu unseren jüdischen Freunden und die Gewissheit, dass der Ewige auch in dieser schweren Krise für Sein geliebtes Volk sorgen wird. Slava Bogu – GOTT sei die Ehre!

Dr. Claus Heinemann