Brief aus Donezk im Februar 2015

Begegnung – Versöhnung – Rückkehr nach Israel

Liebe Ebenezer-Freunde,

Ihr kennt die Nachrichten über die drohende Mobilmachung durch die Separatisten in der „Volksrepublik Donezk“. Viele Fragen sind offen, doch sicher ist: an jeder Straßensperre kann ein Bewaffneter zwangsweise Männer als Soldaten rekrutieren. Das schürt Angst und Depression.

Am 2. Februar gab der Separatisten-Chef der „Volksrepublik Donezk“, Alexander Sachartschenko, die allgemeine Mobilmachung bekannt: “Wir beabsichtigen, die notwendige Anzahl an Menschen zu mobilisieren, um die Zahl unserer Armee auf 100.000 Personen zu erhöhen. Es wird eine freiwillige Mobilisierung.“ Für Ukrainer ist es fast unmöglich, die von Separatisten eroberten Gebiete zu verlassen. Es entsteht eine Art Grenze, für deren Überquerung „Papiere“ vorzulegen sind. Jede Begegnung mit bewaffneten „Grenzschützern“ ist unberechenbar. So können auch Juden die Ostukraine kaum noch verlassen. Wie vor 80 Jahren droht ein „Zu spät“ für schätzungsweise noch 5-10.000. (Schätzung: 0,5-1% der ukrainischen Bevölkerung ist jüdisch, bei einer Gesamtbevölkerung der Ukraine von ca. 45 Mio. Einwohner, also ca. 300.000 Juden, sind dies im Separatistengebiet mit einer Bevölkerung von 1,8 Mio. ca.10.000 Juden).

Unsere Mitarbeiter in Donezk leben auch jetzt mutig GOTTES Ruf, in Donezk und Umgebung Juden zu trösten, zu fischen und den einzelnen bei der Alijah zu helfen. Sie rufen Ermutigung in die Schicksale der Kranken, der Ratlosen hinein und handeln.

Im Flüchtlingslager im Osten der Ukraine, das wir mit unterstützen, warten weiterhin Olim auf die Ausreise. Nächste Woche wollen sich Mitarbeiter verschiedener christlicher Werke in dem Lager treffen, um zu beten und zu besprechen, wie sie durch mehr Einheit und durch ihre Liebe zueinander mehr Zeugnis für die Juden sein können.

In Kiew half unser Ebenezer-Team aus Deutschland und Tschechien dort einem anderen christlichen Werk kurzerhand bei der Versorgung von Flüchtlingen. Diese Flüchtlinge waren auf abenteuerlichen Wegen über Russland aus Lugansk nach Kiew gekommen. Unter Leitung von Matthias Müller war ein junges Team zum Gedenken mit Überlebenden in Kiew in der Synagoge und in Babi Yar, anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Jeder Hausbesuch war eine besondere Begegnung der Veteranen mit der dritten und vierten Generation. Ein persönlicher Bericht über die Begegnungen mit Überlebenden der Shoah in Kiew kann hier gelesen werden: Besuche zum Holocaustgedenktag in Kiew.

Auch im Süden der Ukraine, im Raum Mikolajiw/Nikolajew-Cherson-Odessa, unterstützen wir weiterhin die Arbeit mit Holocaustüberlebenden und die Alijah durch Transport, Seminare und persönliche Unterstützung. Anfang Februar förderten wir durch mit Hilfe unserer ukrainischen Partner ein Alijah-Seminar für jüdische Menschen aus der südlichen Region; die meisten von ihnen waren noch nie bei einem Seminar der Jewish Agency gewesen. Für Anfang April (Pessach) planen wir einen Kurzeinsatz zu Holocaustüberlebenden in Odessa. Informationen sind hier erhältlich: Kurzeinsatz in Odessa.

In Birobidschan im russischen Fernen Osten geht unsere Suppenküche für Veteranen und Holocaustüberlebende und die Arbeit mit Kindern im Simcha („Freude“)-Club weiter.

Wir danken Euch für Eure Unterstützung!

Schalom,      

Hinrich,  Elke und Team