Ukraine: Gehorsam und Treue im umkämpften Donezk

Denn mächtig über uns ist seine Gnade! Die Treue des HERRN währt ewig! Halleluja! (Psalm 177,2)

Unsere langjährigen Mitarbeiter Igor und Lena stehen trotz der täglichen Gefahr den bedürftigen Juden im Großraum Donezk weiter zur Seite. Um für Unterkünfte für flüchtende Juden zu sorgen, sind sie in den letzten Wochen bereits zweimal in den relativ sicheren Westen der Ukraine, nach Dnjepropetrowsk, gefahren. Sie hätten dort bleiben und weiter unter Juden arbeiten können, aber viele jüdische Freunde aus der Region Donezk riefen sie an und baten um ihre Hilfe und ihren Beistand. So sind sie im Gehorsam wieder zurückgefahren und erleben täglich Unglaubliches: Bedrohung, Angst, Verfolgung – aber auch Bewahrung, Versorgung, Dankbarkeit. Lena berichtet:

Wir verstehen, dass Gott nicht umsonst von den Jägern sprach (Jeremia 16,14-18). Es ist unsere Aufgabe, das Wort Gottes zu bringen und zu glauben, dass der HERR es zu seiner Zeit erfüllt. Deswegen werden wir weitermachen, und der Herr wird den Rest tun!

In Donezk hat sich die Versorgungslage verschärft. In den Geschäften gibt es zwar Lebensmittel, aber niemand hat Geld. Die Rentner bekommen schon seit Juli keine Rente mehr. Gott sei Dank überweist die Chessed ihren Schützlingen schon seit zwei Jahren kleine Summen auf eine spezielle Karte, mit denen in Supermärkten gezahlt werden kann.

In Donezk - in der Ferne der brennende Flughafen
In Donezk – in der Ferne der brennende Flughafen

Trotz des Waffenstillstands werden ukrainische Soldaten im Flughafen von Donezk weiter beschossen. Dementsprechend viele Häuser sind im Umkreis des Flughafens zerstört.

Separatisten besetzen Gebäude von Gemeinden, wir Christen müssen uns zunehmend in Privathäusern treffen. Allerdings muss das unter großer Geheimhaltung geschehen, da die Häuser sonst beschossen werden. Zurzeit treffen wir uns in unserer Wohnung und sind sehr gesegnet!

Wärmende Wolldecken und Wort GOTTES im beginnenden Winter
Wärmende Wolldecken und Wort GOTTES im beginnenden Winter

Wir haben im Oktober bereits -4°C, die Heizungen werden aber erst Anfang November angestellt. Die 100 Wolldecken, die wir der Chessed in Charkiv gaben, waren nach zwei Tagen vergriffen. Wir besuchten die Juden, die selbst nicht zum Chessed-Büro kommen konnten. Sie sind so dankbar für alle Hilfe. Auf Nachfrage kauften und verteilten wir auch einige Fußwärmer à 10 €.

Galina (62) ist von Schachtjorsk nach Donezk geflohen. In ihrem Dorf war der Beschuss noch viel schlimmer als bei uns in der Stadt. Tagelang musste sie im Keller bleiben. Die Arbeiter einer Hühnerfarm sind alle geflohen. Da niemand die Tiere versorgte, wurden die Käfige geöffnet und zehntausende Hühner, auf der Suche nach Futter, geängstigt von den Explosionen, entkamen in die Freiheit. Genauso laufen riesige Horden wilder Hunde durch die Stadt. Betet für psychische Wiederherstellung der Menschen, die den Beschuss durchlebten.

Maria (87) durchlitt den zweiten Weltkrieg, verlor ihren Mann, hat keine Kinder und liegt seit drei Jahren mit einem Oberschenkelhalsbruch im Bett. Sie hat kein Geld für Windeln und Medikamente, ist sehr dankbar für die Unterstützung von Ebenezer. Zum zweiten Mal in ihrem Leben muss sie Kriegslärm ertragen – kann sich aber bei Alarm nicht in Sicherheit begeben. Betet, dass Maria den inneren Frieden findet!

Auch Svetlana lag zwei Jahre mit Oberschenkelhalsbruch im Bett. Als ihr Haus beschossen wurde, war sie gezwungen, täglich in den Keller hinabzugehen. Dies führte nach zwei Monaten dazu, dass ihre Beine kräftiger wurden und sie nicht mehr im Bett liegen muss! Betet, dass ihre neu gewonnene Mobilität sie bis nach Israel bringt!

Lena mit Silvas Telefon
Lena mit Silvas Telefon

Silva hatte bereits vor zehn Jahren Alijah gemacht, kam aber nach drei Jahren aus Israel zurück, da ihr Sohn sie brauchte. Einige Jahre später wurde er krank und starb. Jetzt ist Silva allein und sehnt sich nach Israel. Sie hat Angst, alleine auszuwandern. Als ich in ihrer Wohnung ein antikes Telefon sah, erzählte ich ihr eine Geschichte, die Gustav Scheller oft zum Besten gab: Telefongespräche von Jerusalem in den Himmel sind immer Ortsgespräche und viel günstiger als von anderswo! Betet, dass Silva den Mut bekommt, alleine zum Ort ihrer Sehnsucht aufzubrechen, nach Erez Israel!

Olga (24) lebt bereits in Israel, dient in der Armee. Im September kam sie in die Ukraine, um ihre Familie bei der Alijah zu unterstützen. Ebenezer bezahlte ihr Flugticket. Betet, dass Israel ihnen bald zur Heimat wird!

Larissa zeigt Lena Familienfotos
Larissa zeigt Lena Familienfotos

Den ganzen Sommer verbrachte die Familie von Larissa (63) und Pawel am Asowschen Meer, wo die Donezker Chessed sie hingebracht hatte. Anfang September beschlossen sie, nach Donezk zurückzukehren. Larissas Tochter Julia arbeitete als Psychologin in der Chessed von Donezk. Sie wurde entlassen, als alle Mitarbeiter aus Donezk weggingen. Nach zwei Tagen in Donezk entschieden die Töchter mit ihren Familien, die Stadt wieder zu verlassen. Zum einen waren die Schulen geschlossen, außerdem waren sie entsetzt, dass die Wohngebiete so intensiv beschossen wurden, dass sie um ihr Leben fürchten mussten. Also fuhren sie zu Verwandten auf die Krim.  Julias Familie möchte nun Alijah machen! Betet, dass sie alle notwendigen Dokumente bekommen.

Larissa und Pawel sind in Donezk zurückgeblieben. Wir haben ihnen erklärt, dass sie als Rentner in Israel versorgt werden, dass es in Israel viele russischsprachige Juden gibt und sie nicht isoliert wären. Wenn ihre Tochter Julia mit Familie nach Israel geht, möchten die beiden mitkommen. Was sie momentan von der Ausreise abhält, ist ihr 100 Jahre altes Haus im Stadtzentrum. Es ist Larissas Elternhaus, neu renoviert und wunderschön. Sie sind bereit, es zu verkaufen, aber in dieser unsicheren Situation bekommen sie für das Haus nur sehr wenig. Andererseits könnte es jeden Moment von einem Geschoss getroffen werden… Betet darum, dass die Familienbande stärker sind als die Verbundenheit zu materiellen Gütern. Sie haben immer zusammen in diesem Haus gelebt: Larissa und Pawel, Großvater und Großmutter und Julia mit ihrem Mann und den zwei Kindern. Mögen sie zusammen in Israel leben.

Und es soll geschehen, nachdem ICH sie herausgerissen habe, werde ICH mich wieder über sie erbarmen und sie zurückbringen, einen jeden in sein Erbteil und einen jeden in sein Land. (Jeremia 12,15)