„Als wäre Frieden in Donezk!“

7„Als wäre Frieden in Donezk!“

Geschichte einer besonderen Alijah

Unsere Mitarbeiter in Donezk berichten uns von Ihrer Unterstützung einer jüdischen Familie bei der Ausreise aus der umkämpften Stadt Donezk im Osten der Ukraine.

Wie Ihr wisst, versuchen ukrainische Regierungstruppen seit einigen Wochen Donezk von Separatisten zu befreien. Seit Kurzem wird Donezk auch am Tag durch militante Separatisten beschossen. Sie fahren durch die Stadt und beschießen friedliche Stadtviertel und verbreiten Gerüchte, dass die Schüsse von der ukrainischen Armee ausgingen. Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen und Supermärkte werden zerstört. Das russische Fernsehen kommt innerhalb weniger Minuten zum Explosionsort, ohne Angst von den Schüssen getötet zu werden, und dreht eine Reportage (sie wissen im Voraus, was beschossen wird und wann der Beschuss zu Ende ist).

Die Gebetsunterstützung war deshalb am Sonntag (10.8.14) sehr wichtig für uns, als wir eine Familie für ihre Alijah zum Bahnhof bringen musstendrei Frauen dreier Generationen und einen Hund. Die älteste sagte ehrlich, dass sie die Situation in der Ukraine dazu veranlasst, nach Israel auszuwandern. Die Großmutter und ihre Tochter sind erfolgreiche Ärztinnen. Die Tochter hat bis zu ihrem 70. Geburtstag gearbeitet. Die Enkelin, die zur jüngeren Generation dieser Familie gehört, begegnet dem Umzug nach Israel sehr verantwortungsbewusst. Sie hat schon in Donezk begonnen, Hebräisch zu lernen. Es war sehr schwierig, ihre Dokumente für das Konsulat zusammenzustellen, aber ihnen gelang dies erfolgreich, sodass sie ihre Visa in Charkiw bekommen haben. Nun ziehen sie nach Aschkelon.

Wir fuhren mit ihnen durch die leeren Straßen in Donezk und hörten die Explosionen in der Ferne. Wir wussten, dass diese Explosionen für uns ungefährlich waren, da sich die Kriegshandlungen ca. 10-15 Kilometer vom Bahnhof entfernt abspielten. Die Hauptsache ist, dass die Separatisten den Bahnhof zu der Zeit nicht beschossen haben.

Bis zu dem Moment, in dem der Zug ankam, waren ungewöhnlich wenige Menschen auf dem Bahnsteig und am Bahnhof, man konnte sie an den Fingern abzählen. Wir wissen, dass der unterirdische Durchgang an den Ausgängen zum Bahnsteig der sicherste Ort auf dem Bahnhof ist. Alle Passagiere haben dort Schutz gesucht. Als der Zug einfuhr, befand sich eine riesige Menschenmenge auf dem Bahnsteig. GOTT sei Dank, hatte der Beschuss zu der Zeit aufgehört.

Es war ein sehr bewegender Moment, als wir sahen, dass alle Menschen, die im Zug saßen, sehr glücklich waren, lächelten und dass die Stimmung fröhlich war. So etwas haben wir lange nicht erlebt, da die Menschen in Donezk seit einigen Monaten nicht mehr lächeln. Für einen Augenblick fühlte es sich so an, als wäre Frieden in Donezk und als würden wir unsere Freunde in den Urlaub verabschieden!

Wir haben fünf große Taschen und zwei Koffer im Zugabteil verstaut. Alles hat hineingepasst und darüber waren unsere Auswanderer sehr froh. Wir haben vereinbart, dass wir uns im nächsten Jahr in Israel treffen, und sie sind glücklich abgefahren. Der HERR sammelt Sein Volk, so wie diese Familie. Sie sind voller Hoffnung, und der HERR hilft ihnen.

Wir sind zu Hause angekommen, ohne unterwegs Schüsse zu hören. Erst als die Dämmerung hereinbrach, haben wir wieder vereinzelten Beschuss wahrgenommen. Irgendwo im Stadtzentrum hat irgendjemand Schüsse mit einer Kalaschnikow abgefeuert. Wir nehmen dies schon nicht mehr als etwas Ernstes wahr. Das Wichtigste ist, dass unser Haus nicht getroffen wird.

Der HERR lebt!