Gedenkveranstaltung zur Wannseekonferenz

Am 20. Januar jährt sich die Wannseekonferenz zum 70. Mal, auf der die Umsetzung von Hitlers „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen wurde. Deshalb hat das Christliche Forum für Israel (CFFI) angeregt, zum 20. Januar 2012 eine Brücke des Gedenkens zwischen Berlin und Jerusalem aufzurichten. Ebenezer Deutschland wird sowohl in Berlin als auch in Jerusalem vertreten sein. Die Organisation auf deutscher Seite übernimmt „Christen an der Seite Israels“ (Harald Eckert) und in Jerusalem ICEJ (Jürgen Bühler). Nähere Informationen und Anmeldemöglichkeit für den 20.-22.01.12 unter http://www.initiative27januar.org/

Welche Aktionen und Veranstaltungen habt Ihr in eurem Umfeld zum 70. Jahrestag der Wannseekonferenz und zum Holocaustgedenktag am 27.01.2012? Berichtet uns darüber – und nutzt die Gelegenheit, Zeichen gelebter Solidarität mit Juden und Israelis in Deutschland zu setzen.

Wannsee-Konferenz

Anmerkung von Hinrich Kaasmann:

Die Wannsee-Konferenz symbolisiert wie kaum ein anderes Ereignis die Verbindung zwischen dem deutschem Staatsapparat (Verwaltung und Ministerien) und der Ermordung europäischer Juden. In gutem Beamtendeutsch wird von “Endlösung“ geredet, und „Juden ermorden“ wird umschrieben durch „entsprechend behandeln“. Die nachfolgende Erläuterung aus einem Lexikon zeigt die absolut verharmlosende Darstellung dieser Konferenz auf. Umso wichtiger ist, heute festzustellen: Allen Beteiligten damals war klar, dass sie über die technische Umsetzung der Ermordung von 11 Millionen Juden sprachen. Die diesjährigen Gedenkfeiern in Berlin sollen uns auch unter anderem in die Buße führen über den Umgang mit der Aufarbeitung des Holocaust der Nachkriegsgenerationen.

Auszug aus dem Lexikon des Holocaust, Herausgeber Wolfgang Benz, Verlag C.H. Beck München 2002, S. 245

Besprechung am 20. Januar 1942 zwischen dem Chef des Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, und 13 Angehörigen des SS – und Polizeiapparats, Staatsekretären und Beamten in einer Villa am Berliner Wannsee. Bis heute kursiert die Legende, dass auf der Wannensee-Konferenz der Beschluss zur Ermordung der europäischen Juden gefasst worden sei, was nicht der Fall ist. Zum Zeitpunkt der Konferenz führten die Einsatzgruppen bereits Massenexekutionen an den sowjetischen Juden durch, und Gaswagen waren in Polen im Einsatz. Aus dem Deutschen Reich wurden bereits Juden “nach dem Osten“ deportiert. Der Beschluss zum Judenmord war früher gefallen. Die auf der Wannensee-Konferenz anwesenden Beamten hatten zudem nicht die Kompetenz für eine derartig weitreichende Entscheidung.

Heydrich beabsichtigte mit der Konferenz, das Zusammenwirken aller für die Ermordung der Juden benötigten Instanzen zu gewährleisten. Es ging ihm weniger um praktische “Ausführungsbestimmungen“ als darum, “Klarheit in grundsätzlichen Fragen zu schaffen“. Darunter verstand er die bedingungslose Anerkennung seiner Zuständigkeit für diesen Bereich und die Gewissheit, dass keiner der Teilnehmer am Ende der Konferenz noch Zweifel daran hatte, welches Schicksal den europäischen Juden bevorstand. Zudem rückte das Thema, wer als Jude galt, wie also mit – “Mischlingen und in Mischehe“ lebenden Juden zu verfahren sei, in den Mittelpunkt.

Die Konferenzteilnehmer betrachteten die Besprechung, die das Schicksal von elf Millionen Juden thematisierte, als reinen Verwaltungsakt. Das Besprechungsprotokoll, das zur “Geheimen Reichssache“ deklariert und erst 1947 in den Akten des Auswärtigen Amtes gefunden wurde, spricht deutliche Worte: “Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird.

Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.“

Wegen des Tagungsortes erhielt die offiziell “Staatssekretär-Besprechung“ genannte Veranstaltung nach 1945 die Bezeichnung Wannsee-Konferenz. Seit 1992 ist die Villa eine Gedenkstätte mit der Bezeichnung “Haus der Wannsee-Konferenz.“

(Unterstreichungen durch E.Kaasmann)