Jom Kippur

Jom Kippur

von Hinrich Kaasmann

Klagemauer
Die Westmauer des jüdischen Tempels in Jerusalem

 

Freitag Abend beginnt Jom Kippur – 3. Oktober 2014, 9. Tischri 5775

Jom Kippur, acht Tage nach Rosh Hashana, ist der Versöhnungstag, der Tag des göttlichen Gerichts, der Buße und Umkehr (3. Mose – Lev. 23, 27-32), an dem die Verfehlungen des einzelnen Menschen gesühnt werden. Es ist der einzige in der Bibel genannte Fastentag.

Jom Kippur ist ein Tag, um über die eigenen Verfehlungen und Vergehen nachzudenken. Juden beten an diesem Tag um Vergebung der Sünden zwischen Menschen und Gott und bereuen fehlerhaftes Handeln und Vergehen im zwischenmenschlichen Bereich

Die wichtigsten religiösen Vorschriften des Jom Kippur – lange Bittgottesdienste und ein 25-stündiges Fasten – werden selbst von vielen eigentlich säkularen Juden befolgt. Würde und feierlicher Ernst des Jom Kippur in der Öffentlichkeit sind stärker ausgeprägt als bei anderen Festen, Rosh Hashana ausgeschlossen. Israel kommt für 25 Stunden zu einem absoluten Stillstand. Alle Unterhaltungs- und Vergnügungsstätten sind geschlossen; Fernseh- und Radiosendungen werden eingestellt – sogar Nachrichten werden nicht gesendet; der öffentliche Verkehr ruht, die Flughäfen werden geschlossen und viele Straßenzüge abgesperrt.

Der Ernst des Tages wird in Israel durch die Erinnerung an den Krieg von 1973, also an den Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens auf Israel an Jom Kippur, zusätzlich unterstrichen.

Der große Versöhnungstag Lev. 23, 27-32: Der Herr sagte zu Mose:

„Der 10. Tag des 7. Monats ist der Tag der Versöhnung. Dann sollt ihr fasten, euch zu meiner Ehre versammeln und eure Opfer auf dem Altar verbrennen.

Ihr dürft keinerlei Arbeit verrichten, denn an diesem Tag werdet ihr mit mir, dem Herrn, eurem Gott, versöhnt und von all euren Sünden befreit.

Wer an diesem Tag nicht fastet, muss aus seinem Volk ausgestoßen werden und sterben.

Ich selbst lasse jeden umkommen, der an diesem Tag irgendeine Arbeit verrichtet.

Arbeitet auf keinen Fall am Versöhnungstag! Diese Ordnung gilt für alle künftigen Generationen, wo immer ihr auch wohnt. Der Versöhnungstag ist ein ganz besonderer Feiertag, an dem ihr fasten sollt und nicht arbeiten dürft. Er dauert vom Abend des 9. Tages bis zum folgenden Abend.“

“Einführung: Erew Jom Kippur“

Am Vorabend des Jom Kippur möchte ich mich mit der Frage befassen, ob und wieweit jüdische Feiertage nur Merkmal der jüdischen Identität oder Kultur sind oder vielmehr selbst in sich identitätsstiftend sind.

„Jom Kippur ist ein Tag, um über die eigenen Verfehlungen und Vergehen nachzudenken. Juden beten an diesem Tag um Vergebung der Sünden zwischen Menschen und Gott und bereuen fehlerhaftes Handeln und Vergehen im zwischenmenschlichen Bereich. Die wichtigsten religiösen Vorschriften des Jom Kippur – lange Bittgottesdienste und ein 25-stündiges Fasten – werden selbst von vielen eigentlich säkularen Juden befolgt.“ (Zitat aus dem Newsletter der Israelischen Botschaft – Berlin, 7.10.2011)

Wer je zu Jom Kippur in Israel war, merkt, wie das gesellschaftliche Leben zur Ruhe kommt.

Diaspora

Juden in der Diaspora haben aus gesellschaftlicher Not oft ihre Identität den Normen der Gast-Gesellschaft angepasst – Assimilation.

Die eigene jüdische Identität wurde dabei manchmal bewußt geopfert, aber oft wurde es auch als Befreiung von jüdisch-gesellschaftlichen Erwartungen empfunden.- Emanzipation

Alternative: Jüdische Identität bewußt leben

Identität kann sein      – Selbstbestimmung oder Selbstfindung

                                       – Fremdbestimmung

Selbst wenn man selbst sich nicht als „Jude“ empfindet, wissen es die Nachbarn genau. – Ich denke, das muss hier nicht erläutert werden.

Heute möchte ich mich auf die Bedeutung der jüdischen-biblischen Feste für die jüdische Identität konzentrieren.

Schabbat ist der „erste der Festtage“ – wie es im Kiddusch heißt

Jom Kippur ist der höchste der Feiertage.

1. Wahrnehmung der Feiertage durch die nicht-jüdische Gesellschaft

Wir wissen, dass der militante antijüdische Islamismus starke „Entwicklungshilfe“ durch deutsche Nazis bekommen hat.

Zum Wissen der Gestapo und SS gehörte es, „Aktionen“ an Feiertagen zu starten, denn da hatte man „alle einer Familie zusammen“.

Selbst meine Mutter wunderte sich hier in Hamburg als junge Studentin (1933-1936), was „Freitagsabends“ im Grindelviertel los war, wie die SA rassistische Lieder sang…..

Die Beachtung jüdischer Feiertage durch „feindliche gesinnte Nachbarn“ war aber keine „Erfindung“ der Nazis:

  • 9.1891 kam es in Galizien zu einem Pogrom, weil Jom Kippur am Montag war und Juden am Sonntag – mit Erlaubnis von 12-18 Uhr die Läden offen hatten.
  • 10.1938 Wiener Aktion
  • 10.1973 Jom Kippur Krieg
  • Oktober 2000 Akko
  • Oktober 2008 Akko

2. Wahrnehmung der Feiertage individuell oder innerhalb der israelisch-jüdische Gesellschaft

Feiertage könne sinnentleert sein, wie z.B. viele in unserer Gesellschaft Weihnachten  erleben.

Die Intensität der gesellschaftlichen Akzeptanz eines Feiertags kann

  • Stress
  • Druck – z.B. Autofahren in Mea Sherim
  • oder echte Chance zum Nachdenken sein

Was macht Jom Kippur aus?

Jom Kippur ist ein Tag, um über die eigenen Verfehlungen und Vergehen nachzudenken.

Juden beten an diesem Tag um Vergebung der Sünden zwischen (1) Menschen und Gott und bereuen (2) fehlerhaftes Handeln und Vergehen im zwischenmenschlichen Bereich.

 

"Mögest Du in das Buch des Lebens eingeschrieben sein"
„Mögest Du in das Buch des Lebens eingeschrieben sein“