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Fachkräfteprogramm in Israel – „Wir wählen das Leben!“

3. Mai 2026 / Redaktion

„Jeden Tag können wir entscheiden, ob wir hassen oder leben und lieben. Wir wählen das Leben.“
Das sagte eine Lehrerin aus Tel Mond zu unserer Delegation – und dieser Satz beschreibt besser als alles andere, was wir in diesen acht Tagen erlebt haben.

Empfang Rathaus Tel Mond mit Bürgermeisterin
Die Bürgermeisterin von Tel Mond empfängt unsere Delegation

Vom 27. Dezember 2025 bis 4. Januar 2026 begleiteten Angelika und Steffi eine Delegation von 10 Fachkräften aus Hamburg zu unseren Partnern nach Tel Mond – gefördert von ConAct, dem Koordinierungszentrum für Deutsch-Israelischen Austausch. Was als Fachkräfteprogramm begann, wurde für viele zu einer Erfahrung, die ihren Blick auf Israel und auf sich selbst nachhaltig geprägt hat. Hier berichten fünf Teilnehmende – und eine israelische Gastgeberin – von dem, was sie mitgenommen haben.

Alle Berichte sind hier zu lesen: Sammlung aller Berichte vom Fachkräfteprogramm Silvester 2025-2026


„Ich stehe nun mit ganzem Herzen hinter Israel“ – Daniel

Die letzten acht Tage kommen mir vor wie drei Wochen, sind aber auch andererseits wie im Flug vergangen. Sie waren voller Emotionen, Begegnung, Lachen, aber auch manchmal mit feuchten Augen. Zuvor hatte ich zum Thema Gazakrieg zwar schon zur israelischen Seite tendiert, doch meine Meinung war sehr geprägt von den Berichten der Medien, die oft nicht zu Gunsten Israels ausfallen. Nach dem, was ich hier gehört und auch mit eigenen Augen gesehen habe, stehe ich nun mit ganzem Herzen hinter Israel.

Weiser Rat von verletztem Beduinen

 

Fast jeder Soldat, den wir trafen, hat nicht über Hass gegenüber Terroristen oder Arabern gesprochen, sondern viel mehr über die Verzweiflung über den Hass, den die Welt auf sie hat. Ich saß oft mit meiner Gastfamilie zusammen, die mich herzlichst empfing. Sie verstehen es nicht, wieso die Welt sie dafür hasst, dass sie Krieg gegen einen Ort führen, aus dem seit Jahrzehnten Angriffe kamen. Eine Zehntklässlerin sagte, dass sie nicht daran glaube, dass Frieden möglich sei. Wieso sollte sie auch – sie kennt schon ihr Leben lang diesen Konflikt, und seit dem 7.10. ist jegliche Art von Hoffnung in vielen Israelis zerbrochen.

Doch in all der Trauer und Hoffnungslosigkeit gibt sich die Bevölkerung untereinander Kraft und leistet Unterstützung, wie es wahrscheinlich kein anderes Volk schaffen würde. Direkt am 7.10. wurde ein Hilfszentrum für Traumatisierte eingerichtet – zuerst für ein paar Monate geplant, dann für ein Jahr, nun für die nächsten fünf Jahre. Solch ein Trauma verschwindet nicht nach kurzer Zeit, sondern hat lebenslange seelische und physische Narben hinterlassen.

Ich liebe Israel von ganzem Herzen. So eine Liebe, so ein Zusammenhalt ohne Zeichen von Verbitterung kann man nur im Heiligen Land finden. Ich fühle, dass ich eine Familie in Israel gefunden habe. Am Israel Chai!


„Wir durften die ersten Schritte einer Offizierin bejubeln“ – Nele

Ich bin so dankbar für diesen Austausch. Ich konnte mir nicht vorstellen, was für einen gewaltigen Unterschied es macht, Menschen und ein Land persönlich kennenzulernen. Die vielen tiefen Gespräche, die Berichte von ganz persönlichen Schicksalen, die Begegnung im tiefen Schmerz – und die Möglichkeit, einander in die Augen zu sehen – haben mich tief bewegt.

Besonders berührt hat mich, wie Mütter und Väter, die ihre Kinder am 7. Oktober auf unvorstellbar brutale Art verloren haben, auf die Frage hin, was wir für sie tun können, antworteten wie dankbar sie dafür sind, dass wir unsere Zeit opfern, um ihnen zuzuhören. In all der Trauer, dem Schock und der scheinbaren Hoffnungslosigkeit bin ich einer beeindruckenden Stärke, Freundlichkeit und Verwundbarkeit begegnet – und Herzen, die sich so darüber freuen, dass ihnen jemand zuhört. Keinen Hass, keinen Argwohn, keine Bitterkeit habe ich wahrgenommen. Stattdessen den Wunsch nach Frieden und den immer wiederkehrenden Appell zur Menschlichkeit.

Wir durften verwundete Soldaten kennenlernen – darunter Beduinen, für die die Verteidigung Israels eine absolute Selbstverständlichkeit ist. Wir durften die Holocaustüberlebenden Miriam Bolle und Regina Steinitz kennenlernen, die uns in ihren Wohnzimmern mit offenen Armen empfingen. Und wir durften die ersten Schritte einer Offizierin bejubeln, deren Unterleib bei einer grausamen Attacke im Grenzgebiet zerquetscht wurde und die sich sehr über unseren Besuch im Krankenhaus freute.


„Jeden Tag können wir entscheiden, ob wir hassen oder lieben“ – Jenny

Im Austausch mit Schülern

Besonders eindrücklich war der Tag an der Schule in Tel Mond. Eine Frage an die Jugendlichen beschäftigte mich dabei besonders: Wie geht es euch damit, zu wissen, dass ihr nach der Schule für drei Jahre zum Militär müsst? Eine Schülerin erzählte von ihrer Angst – und zugleich von ihrem festen Willen, ihrem Land zu dienen und es zu verteidigen. Diese Spannung aus Angst, Verantwortungsgefühl und Entschlossenheit hat mich tief bewegt.

Anschließend sprach eine Lehrerin davon, wie schwer es sei, immer wieder stark sein zu müssen – vor allem für die Schülerinnen und Schüler. Sie sagte einen Satz, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: „Jeden Tag können wir entscheiden, ob wir hassen oder leben und lieben. Wir wählen das Leben. Wir haben viel in uns, was wir geben können.“ Diese Stärke, diese Lebensfreude trotz der angespannten Situation im Land und der klare Wille, nicht aufzugeben, haben mich sehr beeindruckt.

In „Beit Terezin“, einem Museum in einem Kibbuz, erfuhren wir viel über das Zwischenlager Theresienstadt und die unmenschlichen Zustände dort – und wurden darauf hingewiesen, dass viele dieser Berichte erschreckende Parallelen zu den Erzählungen von überlebenden Geiseln des 7. Oktober haben.

Besonders erschütternd war die Geschichte einer älteren Frau. Sie hatte sich über viele Jahre hinweg für den Frieden zwischen Gaza und Israel eingesetzt,  fuhr mit ihrem eigenen Auto kranke Palästinenser aus Gaza in israelische Krankenhäuser. Am 7. Oktober erkannte sie einen der Angreifer wieder und fragte ihn, warum er das tue – erst eine Woche zuvor habe sie seinen Vater ins Krankenhaus gefahren. Die Antwort des Terroristen lautete: „Weil ihr Juden seid.“

Ich wünsche mir sehr, dass ich zurück in Deutschland von diesen Erlebnissen erzählen kann – und so einen kleinen Beitrag dazu leiste, dass „Nie wieder“ nicht nur ein Satz bleibt.


„Das Böse wird als gut dargestellt – das hat mich schockiert“ – Maja

Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, Teil der Fachkräftegruppe gewesen zu sein und in persönlichen Kontakt mit Israelis zu kommen. Es war eine sehr schöne, intensive und interessante Zeit – mit Lehrern und Schülern, mit Eltern an der Schule, die in den letzten zwei Jahren ein Kind verloren haben, mit Holocaustüberlebenden, verwundeten Soldaten und Menschen, die nahe dem Gazastreifen leben.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse seit dem 7. Oktober 2023 war es spannend zu hören, was die Israelis erzählen, die unmittelbar von der Situation betroffen waren – und immer noch sind. Man merkt, dass vieles, was in den sozialen Medien berichtet wird, einfach falsch oder sehr einseitig ist. Mich hat diese Woche immer wieder sehr schockiert, wie das Böse als gut und andersherum dargestellt wird.

Gedenken auf dem Gelände des Nova-Festivals

In Gesprächen mit Soldaten haben wir oft eine besondere Haltung wahrgenommen: Sie sehen es als ihre Aufgabe, die eigene Bevölkerung und das Land Israel zu verteidigen, da es für Juden keinen anderen sicheren Ort auf der Welt gibt. Selbst Soldaten, die wir im Krankenhaus besucht haben, wollen – trotz schwerer Verletzungen – sobald wie möglich wieder zurückkehren.

Trotz allem sind die Israelis so fröhlich und entscheiden sich immer wieder dazu, Freude zu haben und Gemeinschaft zu genießen. Das beeindruckt mich tief – gerade wenn es Eltern erzählen, die vor kurzem erst ihren Sohn oder ihre Tochter verloren haben. Ich möchte jedem ans Herz legen: Reise in dieses Land, mach dir selbst ein Bild von den Menschen – und schenke nicht gleich jeder Nachricht Glauben.


Eine Stimme aus Israel: Daniela war Gastgeberin der deutschen Delegation und Teilnehmerin der Fachkräftebegegnung in Hamburg im Juli 2025.

Irgendwann während des Krieges habe ich entschieden, aufzuhören, „Außenstehende“ davon zu überzeugen, dass Israel einen gerechten Krieg führt. Es war erschöpfend und hatte selten Wirkung – denn Hass braucht keine Begründung. Er ist einfach da.

Als ich im Juli nach Hamburg reiste, war ich gewappnet. Bereit zu kämpfen und zu erklären. Es dauerte sehr wenig Zeit, um zu verstehen: Das ist nicht der Grund, warum ich hier bin. Eine neue, wunderbare Art von Menschen umgab mich. Menschen, die wirklich zuhören wollten. Wir sprachen über alles – und hatten dabei echte Freude. Der Aufenthalt bei Gastfamilien ermöglichte einen Einblick in den Alltag von Menschen, die Israel wirklich lieben.Was für eine Überraschung. Ich fühlte mich geliebt und geschätzt, und selbst wenn schwierige Fragen gestellt wurden – und das wurden sie –, wurden die Antworten bereitwillig angenommen. Mit offenem Herzen und offenen Armen. Ein Wunder…

Blick vom Ölberg auf den Zionsberg

Der Besuch der deutschen Delegation in Israel war dann von fast unmöglicher Dichte. So viel zu sehen, so viele Geschichten, Meinungen, Erfahrungen, so viele verschiedene Stimmen – und doch kein einziges Wort der Klage. Bei allen Treffen, denen ich beiwohnen konnte, spürte ich, wie sehr unsere Gäste darauf brannten, so viel wie möglich zu lernen und zu verstehen.

Das Ziel, von dem ich gar nicht wusste, dass wir es hatten, wurde erreicht: wieder Hoffnung in unser Leben zu bringen. Die Gewissheit, dass nicht die ganze Welt gegen uns ist und dass es Menschen gibt – wie Leuchtfeuer in der Dunkelheit –, die unsere Geschichten weitertragen werden.

„Ein Fluss bahnt sich seinen Weg durch den Felsen – nicht durch seine Kraft, sondern durch seine Beständigkeit.“ (James N. Watkins)

Sind wir nicht alle gemeinsam dieses stille, klare Wasser?

Ist es nicht genau das, worum es geht?


Dank & Ausblick

Unser herzlicher Dank gilt Yifat Schnarch und ihrem dem Team des Rabin-Bildungszentrums Tel Mond für die Begleitung und Planung, unseren israelischen Gastfamilien für ihre Herzlichkeit – und ConAct für die finanzielle Unterstützung dieses wichtigen Austauschs.

Worte des Danks von Yifat: Ich möchte ConAct herzlich für die außergewöhnliche Austauschdelegation zwischen Hamburg und Tel Mond danken. Als jemand, der seit acht Jahren Austauschprogramme mit Deutschland organisiert – vor allem für Jugendliche – habe ich viele solcher Reisen begleitet. Diese Delegation war jedoch in ihrer Tiefe und Bedeutung besonders. Mit großer Wertschätzung und Dankbarkeit, Yifat

Möchten Sie selbst Teil eines solchen Austauschs werden oder die Arbeit von Ebenezer unterstützen? Sprechen Sie uns gerne an.