Helfen

Kurzferien im „schwarz-weißen Anzug und Kippa“
NEW JEWNERATION OF LEADERS
Jan und Samuel besuchen ein jüdisches Jugendlager in Moldawien
Ursprünglich sollte es ein großes Kinderlager der ukrainischen Berliner Chabad-Lubawitsch-Gemeinde werden. Nachdem das Unternehmen des ukrainischen Hauptsponsors durch russische Drohnen zerstört wurde, schien das Vorhaben zunächst gescheitert, alle waren sehr enttäuscht. Doch innerhalb von drei Wochen organisierte eine Gruppe Jugendlicher (16–30 Jahre) ein einwöchiges Jugendlager unter dem Motto „NEW JEWNERATION OF LEADERS“. Rund 55 Teilnehmer reisten mit Bussen aus Berlin und der Ukraine an. Das Lager fand in einer günstigen Erholungsanlage nahe Chișinău in Moldawien statt und wurde vollständig auf Russisch durchgeführt.



Eine wichtige Rolle spielte Rabbi Elisha Pavlovski aus Dnepropetrowsk, der seit vier Jahren in der Berliner Gemeinde aktiv ist. Sein Anliegen ist es, „verlorene“ Juden zu erreichen und zum jüdischen Glauben zurückzuführen. Chabad Lubawitsch ist pro Israel und unterstützt Alijah, versteht sich aber nicht primär als Alijah-Organisation. Die Bewegung erwartet die Sammlung der Juden aus der Diaspora im Zusammenhang mit der messianischen Erlösung.
Ich wollte dabei sein, weil mich Rabbi Elishas Persönlichkeit und Vision faszinieren und weil es eine besondere Gelegenheit war, in die orthodoxe jüdische Welt einzutauchen. Mit meinem Sohn Samuel (11) war die Zeit dagegen sehr erholsam. Wir badeten im Fluss, machten eine 15-km-Kanutour auf dem Dnister und hatten eine gute gemeinsame Zeit. Samuel konnte dabei auch jüdische Kultur kennenlernen und den Schabbat miterleben.


Jan und Samuel mit Rabbi Elisha und seinem 17-jährigen Sohn
Der Höhepunkt war Schabbat Kodesh. Am Freitagabend wurde ein festlich gedeckter Tisch vorbereitet, gemeinsam gebetet, gesungen und gegessen, alle sind festlich angezogen. Die Damen machen sich besonders hübsch, aber nicht aufreizend. Besonders eindrücklich war für mich, mit den orthodoxen Männern zu singen und zu tanzen und ihre Freude am Herrn zu erleben. Es war sehr schön, nicht nur abseits zu stehen, sondern im Zentrum des Geschehens zu sein, auch für Samuel. Frauen und Männer sind getrennt, die Damen saßen auf ihren Stühlen und schauten zu. Beim Essen wurde immer wieder „Le Chaim – Zum Wohl“ gerufen und angestoßen. Dabei wird dann jemand aufgefordert, eine Geschichte oder einen Gruß zu sagen – man muss nur aufpassen, dass man nicht zu viele „Le Chaims“ ruft und dabei mit alkoholischen Getränken anstösst…


Der Samstag begann mit Frühgebet und Thora-Lesung, anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen. Handys, Fotos und Rauchen sind am Schabbat tabu. Auch der wunderbare Pool blieb geschlossen. Licht wurde den ganzen Tag angelassen, da es nicht erlaubt ist, am Schabbat Licht ein- oder auszuschalten und zum Schabbatausgang soll es nicht zu dunkel sein. Als in einem Pavillon versehentlich das Licht ausgemacht wurde, kam einer der Männer zu mir und sagte, die hätten ein großes Problem, ob ich helfen könnte – so konnte ich das Licht wieder einschalten – sehr zur Freude der betenden Männer.


Am Sonntag holte uns Pavel Aliy von Ebenezer Operation Exodus ab und nahm uns mit zu einem Gottesdienst. Pavel und ich hatten bereits im Frühjahr 2000 in Odessa gemeinsam mit der Alijah-Arbeit begonnen. Auch 2017 hatte ich in Moldawien einen Einsatz mit einem größeren Team und mit meiner Tochter Hanni, damals 14 Jahre alt. Pavel bringt weiterhin regelmäßig Juden zum Flughafen Chișinău und unterstützt hilfsbedürftige Olim. Mehrmals wöchentlich fährt er die 200 km nach Odessa, um hilfsbedürftige Olim abzuholen.


Der kleine, moderne Flughafen Chișinău ist inzwischen eine wichtige Verbindung zur Ukraine. Bei unserer Ankunft um Mitternacht herrschte ein regelrechter Abholstau – fast alle waren auf dem Weg in Richtung Ukraine. Möge der Krieg bald zu Ende sein, damit die Menschen wieder über den Flughafen in Kiew reisen können.
Ich freue mich auf das Zeitalter, in dem die Verheißung aus Sacharja 9,9–10 Wirklichkeit wird:
„Siehe, dein König kommt zu dir … arm und reitet auf einem Esel… denn er wird Frieden gebieten den Völkern… und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“
Liebe Grüße von Jan & Samuel
Video vom Camp „NEW JEWNERATION OF LEADERS“
